Olaf HofmannDraußen in der Natur kraftort natur 2019 03zu sein ist ein Lebensthema von Olaf Hofmann seit seiner Kindheit in einem erzgebirgischen Dorf, der Diakonenausbildung in Ludwigsburg, bei der Waldheimarbeit und jetzt wieder seit Januar bei der zweigeteilten Projektstelle (die andere Hälfte seiner Arbeitszeit ist er im Kirchenbezirk Balingen tätig). Dazwischen lag ein Auszeit-Jahr mit Frau, Tochter und Hündin in Kanada, wo die Hofmanns das Thema Natur und Spiritualität noch einmal neu für sich entdeckt haben und in dessen Folge zwei Bücher entstanden sind (Beate und Olaf Hofmann: „Einfach raus!“ und „Leben mit tausend Sternen“).

 

Natur und Spiritualität, was bedeutet das? Es geht darum, dass Menschen das Leben sehen, schmecken und erfahren sollen, und Erfahrung passiert draußen. Naturerfahrung verändert den Menschen, „wer rausgeht kommt anders zurück als er losgezogen ist“. Olaf Hofmann spricht gerne von einem „Kraftort Natur“, von einer inneren Widerstandsfähigkeit (Resilienz), die man dort gewinnen kann, vom lebensstiftenden und schützenden „Vitamin N“. Natur ist aber auch inspirierender Erfahrungsraum zur Gottesbegegnung, wo Vertrauen und ein Glaubensgerüst entstehen kann. Die Schöpfung selbst soll zur Kanzel werden: „Wir wollen dem Geschöpf in der Schöpfung den Schöpfer (neu) nahe bringen“. Er braucht deshalb auch keine besonderen Pilgerwege, Gehen ist für ihn „Beten mit den Füßen“, ein Altar kann auch aus Naturmaterialien entstehen, Beten kann auch sein, das Gesicht in die Sonne zu halten und zu hören, achtsam zu werden und Dankbarkeit für die Schöpfung zu empfinden.

Und wie soll das umgesetzt werden? Olaf Hofmann entwickelt Projekte, bei denen Menschen solche Erfahrungen machen können: spirituelle Wanderungen, Trekkingtouren, Übernachtungen unter freiem Himmel. Er nennt das „kleine Urlaube“ im Gegensatz zum „großen Urlaub“ wie seinem Jahr in Kanada. Kleine Urlaube sind kleine Ausbrüche aus der Komfortzone, wie wir sie immer wieder in unser Leben einbauen sollten. Ganz besonders intensive Erfahrungen sind für ihn Nächte am Lagerfeuer und Übernachtungen draußen, auch wenn dabei nicht immer 1000 Sterne scheinen! Grundsätzlich gibt er für jeden Urlaub die Empfehlung „weniger ist mehr“: weniger Programmpunkte, weniger Sachen, dafür mehr Lebensqualität! Und gerne auch einmal im Jahr für sich allein eine Auszeit nehmen, um aus eingespielten Rollen herauszukommen.

Und im Alltag? Jeden Tag sollte etwas dabei sein, was „urlaubsverdächtig“ ist, z.B. eine brennende Kerze beim Frühstück. Und im Tagesablauf sollten wir eine regelmäßige Auszeit einplanen, möglichst verbunden mit einem Ortswechsel hinaus in die Natur, in den Park. Einen „Rettungsweg“ durch den Wald nehmen kann helfen, die Endlosschleife der Gedanken zu durchbrechen. Städte sollten so grün werden, dass dies problemlos möglich ist. Eine solche Auszeit sollten wir uns täglich schaffen und gönnen, denn wir leben hier und jetzt! Das Motto eines der Bücher lautet in Anlehnung an einen Bibelvers, der an die Begrenztheit unserer Lebenszeit erinnert: „Deine Zeit ist Dein Leben. Sei klug.“